Oberjura

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Das oberjurassische Riff-Zeitalter wurde durch die Entstehung eines globalen Ost-West-Strömungssystems („Hispanischer Korridor“) eingeleitet; dieses dürfte maßgeblich zur weltweiten Verbreitung von Korallenlarven und so zu einem weiteren Evolutionsschub geführt haben. Für den Jura verzeichnen wir mit 150 Gattungen in der Tethys (Ur-Mittelmeer) und 51 Gattungen im Panthalassa (Ur-Pazifik) die vielleicht größte Diversität von Steinkorallen überhaupt. Die enorme Ausbreitung der Korallenriffe im Oberjura wurde durch eine Vielzahl verfügbarer Korallenarten sowie durch eine verbesserte Anpassung an ein breites Spektrum von Lebensräumen ermöglicht – etwa an terrigen beeinflusste Bereiche, Umgebungen mit unterschiedlicher Primärproduktion und Nährstoffverhältnissen oder sogar an hyposaline Milieus. Eine große Vielfalt an strukturellen und ökologischen Riff-Settings entstand infolge weiter auseinanderdriftender Kontinentalplatten und Hebungsprozessen im nordatlantisch-lusitanischen Raum und im Bereich der westlichen Tethys infolge von Salzdiapirismus. Die Tethys dehnte sich infolge weiter steigenden Meerspiegels aus, was zu weit verbreiteten Epikontinentalmeeren führte. Infolgedessen fanden unterschiedlichste Rifftypen – darunter Korallenriffe, Stromatoporen-Riffe, Kieselschwamm-Hügel, rein mikrobielle Karbonathügel, Austernriffe oder Mischformen daraus – geeignete Bedingungen für ihre Entwicklung vor.

1: Brachiopoden (Armfüßer)

2: Kieselschwamm

3: Engelhai (“Meerengel”) Pseudorhina sp.

4: Kugelzahnfisch Gyrodus sp.

5: Steinkorallen (mäandroide und ästige Formen)

6: Krinoiden (Seelilien)

7: Fischsaurier Stenopterygius sp.

8: Ammonit

9: verkalkende Mikrobenkrusten

Künstlerische Darstellung von Joschua Knüppe

Korallen-Mikroben-Riff aus dem Oberjura (Kimmeridgium) von Ost-Spanien
(Jabaloyas, Keltiberikum), ca. 150 Mio. Jahre alt. Foto: Reinhold Leinfelder.