Mai 2012: Stammscheibe eines Palmfarns

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Menucoa cazaui Petriella, 1969
Paläozän (ca. 65–55 Millionen Jahre)
Los Menucos, Provinz Río Negro, Argentinien
Durchmesser der Scheibe: ca.18 x 28 cm
BSPG 1996 I 45

Abbildung 1: Aufsicht auf die Krone einer heutigen Zykadee,
die Anordnung der Blätter (Wedel) sowie mehrere
entleerte Zapfen vergangener Jahre zeigend
(Foto: P. Ryberg, Lawrence, KS, USA).

Die Palmfarne (Zykadeen) sind eine urtümlich anmutende Gruppe von Samenpflanzen, die heutzutage mit ~300 Arten in den tropischen und subtropischen Regionen der Erde, von Südamerika bis Australien, beheimatet ist. Die Pflanzen zeichnen sich durch gedrungene oder lang gestreckte, meist unverzweigte, holzige Stämme, eine Krone (Abb. 1) bestehend aus ein- oder zweifach gefiederten Blättern (Wedel) sowie Fortpflanzungsorgane (Sporophylle = abgeleitete Blätter) in Zapfen aus. Von einigen lebenden Exemplaren weiß man, dass sie annähernd 1000 Jahre alt sind. Der deutsche Name ‚Palmfarne’ ist irreführend. Die Pflanzen erinnern zwar habituell sowohl an Farne als auch an Palmen, sind mit beiden allerdings nicht näher verwandt. Vielmehr stellen sie innerhalb des Pflanzenreiches eine eigene Division (Chycadophyta) der Nacktsamer (Gymnospermen) dar.

Der Fossilbericht der Zykadeen ist recht umfangreich, allerdings weniger vollständig, als der anderer Samen-pflanzen (z.B. Nadelgehölze, Blütenpflanzen). Er umfasst verkieselte (strukturbietend erhaltene) Stämme, eine Vielzahl von Blättern und Blatttypen in Abdruckerhaltung, Zapfen, isolierte Samen und Pollenkörner. Die ältesten Nachweise stammen aus dem Perm von China und sind etwa 275 Millionen Jahre alt. Über den Ursprung der Zykadeen weiß man wenig. Wahrscheinlich haben sie sich im Laufe des Jungpaläozoikums aus der heute ausgestorbenen Gruppe der Samenfarne (Pteridospermen) entwickelt. Ihr Diversitäts- und Verbreitungsmaximum erreichten die Zykadeen im Erdmittelalter (Mesozoikum). Vor allem im Jura waren sie mit vielen Arten und Formen weltweit verbreitet. Es kommt daher auch nicht von ungefähr, dass der Jura, manchmal auch das komplette Mesozoikum, in Lehrbüchern oft als „Age of Cycads“ (Zeitalter der Zykadeen) bezeichnet wird. In der heutigen Flora stellen die Zykadeen nur noch ein untergeordnetes Element dar. Interessant ist, dass sich die Zykadeen im Laufe ihrer Evolutionsgeschichte wenig verändert haben; Stämme, Blätter und Fortpflanzungsorgane fossiler Zykadeen sind denen heutiger Vertreter dieser Pflanzengruppe meist so ähnlich, dass sie leicht zugeordnet werden können, selbst dann, wenn sie isoliert gefunden werden.

Abbildung 2: Verkieselter Stamm von Menucoa cazaui
(BSPG 1999 I 29) in Seitenansicht
(Foto: C. Pott, Stockholm, Schweden)

Als Fossil des Monats zeigen wir eine Scheibe eines verkieselten Zykadeenstamms (quer geschnitten), der aus paläozänen (65–55 Millionen Jahre) Sedimenten in der Provinz Río Negro in Süd-Argentinien geborgen wurde. Das Fossil wurde 1969 von Petriella als Menucoa cazaui beschrieben. Die Scheibe weist im Zentrum einen großen hellen Bereich auf, der dem zentralen Mark, einem lockeren Gewebe mit Speicherfunktion, entspricht. Das Mark ist umgeben vom Leitgewebezylinder (gut zu erkennen an den radial angeordneten Elementen), in welchem das Xylem und Phloem des Stamms zusammengefasst sind. Umgeben ist das Leitgewebe von einer massiven Rinde.
Das besondere Kennzeichen der M. cazaui Stämme, von denen man bis heute nur wenige Exemplare (und alle aus derselben Fundregion) kennt, ist ihre Oberfläche, die in Aufsicht den Eindruck erweckt, mit großen Schuppen besetzt zu sein (Abb. 2). Bei diesen „Schuppen“ handelt es sich um Blattbasen, die nach dem Absterben des Blattes nicht mit abgeworfen werden, sondern am Stamm verbleiben, sukzessive verholzen und so mit der Zeit eine kompakte Hülle um den Stamm bilden. Diese Hülle ist auch im Fossil des Monats als unregelmäßige, ~1–3 cm dicke Schicht an der Peripherie des Stamms zu erkennen. Man vermutet, dass die Blattbasen wie ein Panzer fungiert und den Stamm geschützt haben. Menucoa cazaui gehört zu einer ganzen Reihe von fossilen Zykadeenstämmen, die in den vergangenen Jahrzehnten aus Argentinien beschrieben worden sind. Diese Funde sind paläobotanisch interessant, da sie belegen, dass im südlichen Südamerika in der Erdgeschichte Zykadeen nicht nur beheimatet sondern auch divers waren, während es heute dort keine Zykadeen mehr gibt.