Rundgang Luft
Der Urvogel Archaeopteryx ist eines der bekanntesten Fossilien der Welt. Alle bekannten Exemplare dieses ikonischen Fossils stammen aus den etwa 150 Millionen Jahre alten Plattenkalken des Altmühltales in Bayern, aus der Gegend zwischen Solnhofen und Kelheim. Praktisch von Beginn an wurde die große Bedeutung dieser Fossilien für die Evolutionsforschung erkannt: Das Tier vereinigt Reptil- und Vogelmerkmale und belegt so die stammesgeschichtliche Herkunft der Vögel, deren direkte Vorfahren Raub-Dinosaurier des Erdmittelalters waren. Es ist nun weitgehend akzeptiert, dass Archaeopteryx fliegen konnte und die Dinosaurier als Vögel bis heute fortleben. Die Schwungfedern des Urvogels waren asymmetrisch und schon genauso konstruiert wie die Schwungfedern moderner Vögel. Ähnlich wie manche heutige Greifvögel hatte Archaeopteryx „Federhosen“, also lange Konturfedern entlang der Beine. Flügel, Federn und Gabelbein machen Archaeopteryx zum Vogel, während Zähne, der lange verknöcherte Schwanz, Bauchrippen und die Krallen an den Flügeln auf seine Sauriernatur verweisen. Zur Zeit des oberen Jura war Bayern noch fast vollständig von einem flachen Meer bedeckt und lag deutlich weiter südlich als heute, nur wenige hundert Kilometer nördliche des Äquator. Archaeopteryx lebte als flinker Räuber auf Inseln mit subtropischem Klima nahe der Meereswannen, in denen die Plattenkalke abgelagert wurden. Meist ist Archaeopteryx wohl gerannt, auf der Jagd nach Insekten oder kleinen Wirbeltieren. Zum Entkommen vor Fressfeinden mögen kurze Phasen des Fluges hilfreich gewesen sein. Die Krallen an den Flügeln zeigen, dass er wahrscheinlich ein geschickter Kletterer war, auch wenn größere Bäume auf den Inseln des tropischen Archipels vermutlich selten waren.