Oberkreide

Die mittlere bis späte Kreidezeit war durch ausgeglichene klimatische Bedingungen gekennzeichnet – mit einem Meeresspiegel, der 100 bis 200 m über dem heutigen Niveau lag, eisfreien Polen und saisonal wärmerem Klima in höheren Breiten. Schätzungen zufolge waren 20 bis 40 % der Kontinentalflächen überflutet. Die starke Überflutung der Kontinente begünstigte die Bildung ausgedehnter, flachmariner Karbonatplattformen. Diese weitgespannten Areale wurden von korallenartig wachsenden Muscheln (Rudisten) dominiert. Sie formten dichte, meist monospezifische Ansammlungen, die sich nur gering über den Meeresboden erhoben und keine festen Riffgerüste ausbildeten. Steinkorallen, obwohl zum Teil mit den Rudisten vergesellschaftet, traten bevorzugt in tieferen, küstenferneren Schelfarealen auf eher schlammigen Meeresböden auf. Gegen Ende der Kreide-Zeit starben die Rudisten aus und die Steinkorallen gewannen ihre Bedeutung als Riffbauer, auch im küstennahen Flachwasser, wieder zurück, bevor dem Massensterben an der Grenze Kreide/Paläogen, welches das Leben an Land und im Meer gleichermaßen betraf, ein Drittel aller Steinkorallen-Familien zum Opfer fielen.

1: Rudisten-Muschel Radiolites sp.

2: Rudisten-Muschel Torreites sp.

3: Rudisten-Muschel Caprinula sp.

4: Entrollte Ammoniten (Heteromorpha)

5: Plesiosaurier Elasmosaurus sp.

6: Pycnodonter Knochenfisch Flagellipinna sp.

7: Steinkoralle Diploctenium sp.

Künstlerische Darstellung von Joschua Knüppe

Rudisten-Riff mit der korallenartig gewachsenen Muschel Hippurites sp.,
Pass Gschütt, Rußbach, Salzburg, Österreich (Slg. Preuss), Inv.-Nr. SNSB-BSPG 1997 XI 114,
Höhe der Stufe: ca. 25 cm, Foto: SNSB-BSPG.